Abenteuer Harz: Wandern, Geocachen und… Fliegen!?

Deutschland, Reiseinspiration, Wandern

Eine atemberaubende Natur, malerische Ortschaften und eine Extra-Portion Abenteuer – das ist der wilde Harz im Herzen Deutschlands. Ganze drei Bundesländer – nämlich Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen – teilen sich dieses Mittelgebirge, das gleichzeitig auch das höchste Gebirge Norddeutschlands ist. Grund hierfür ist unter anderem der Brocken, der stattliche 1141 Meter über NN misst. Der Harz hat allerdings noch mehr zu bieten als diesen 1000er – wie dir dieser Bericht von Waldheldin Jessika beweisen wird.

Sonnenuntergang auf dem Brocken im Harz

Sonnenuntergang auf dem Brocken

Von kreativen Dosen und Doppelseilrutschen

Der Harz ist für mich eine ganz besondere Region in Deutschland. Nicht nur, dass das Mittelgebirge nicht weit von meinem ehemaligen Wohnort Magdeburg und meiner neuen Heimat Erfurt entfernt liegt, es ist einfach nur traumhaft schön hier. Die raue Natur mit ihren Mischwäldern, Felsen, Tälern und Bergen schafft es, jedes Outdoor-Herz im Sturm zu erobern. Allein schon die Anfahrt über eine der kurvigen Landstraßen versprüht feinsten Alpin-Charme und weckt die Abenteuerlust.

Auch wenn ich schon mehrere Male im Harz unterwegs war, finde ich doch immer wieder einen neuen Grund, wieder hier her zu kommen. Bei meinem letzten Ausflug gab es gleich zwei neue Anreize, die nicht nur mich, sondern auch ein paar abenteuerlustige Freunde von mir anlockten. Unsere Ziele waren eine abwechslungsreiche Geocaching-Runde mit haufenweise Favoriten-Punkten und ein Adrenalin-Erlebnis der besonderen Art, das gleich nebenan an der Rappbodetalsperre auf uns wartete. Für uns stand von Anfang an fest, dass das ein Tag werden würde, den wir so schnell nicht wieder vergessen.

Rund um die Rappbodetalsperre im Harz gibt es für Outdoor-Freunde viel zu erleben.

Rund um die Rappbodetalsperre gibt es für Outdoor-Freunde viel zu erleben.

Auf ins Räuberland

Angelockt von zahlreichen blauen Schleifchen startete unser Tag im Harz in der Nähe der Rappbodetalsperre. Hier findet sich die Geocache-Runde „Im Räuberland“, die aus elf Dosen plus „Pausen-Cache“ besteht. Alle Anlaufstationen sind Premium-Caches und haben es dementsprechend in sich. Nicht, dass die Dosen schwer zu finden wären, sie sind einfach unglaublich kreativ und abwechslungsreich gestaltet. Wir hatten extrem viel Spaß beim Ablaufen der Runde und konnten die eine oder andere Inspiration beziehungsweise Bastel-Anregung mit nach Hause nehmen.

Richtig kreative Geocaches bietet die Räuberland-Runde im Harz

Richtig kreative Geocaches bietet die Räuberland-Runde

Die Räuberland-Runde eignet sich sowohl für Wanderer als auch Radfahrer. Sie führt über feste Waldwege, die nur für die kurze Suche nach den Geocaches verlassen werden müssen. Geringe Höhenunterschiede und eine abwechslungsreiche Umgebung sorgen dafür, dass diese Tour, die etwa 4 Kilometer misst, auch für Kinder sowie „ungeübte“ Wanderer, Cacher und Radfahrer geeignet ist. Der Mix aus entspannter Wander-Tour mit Freunden und wirklich witzigen Geocache-Verstecken hat mir extrem gut gefallen und war die perfekte Einstimmung auf das, was uns noch erwarten sollte.

Adrenalin vom feinsten

Das unumstrittene Highlight an der Rappbodetalsperre mitten im Harz ist nämlich nicht der Ausflug ins Räuberland, sondern die Megazipline – die (lass es dir bitte auf der Zunge zergehen!) größte Doppelseilrutsche Europas.

Die Megazipline Harzdrenalin im Harz. Von unten sieht es noch harmlos aus.

Die Megazipline Harzdrenalin. Von unten sieht es noch harmlos aus.

Die Hard Facts zur Megazipline:

  • Größte Doppelseilrutsche Europas
  • Länge: 1000 Meter
  • Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h
  • Höhe: 120 Meter über dem Stausee

Wichtig zu wissen ist, dass du gewisse Voraussetzungen erfüllen musst, wenn du den Adrenalin-Kick der Megazipline genießen willst. Hierzu gehören unter anderem die folgenden Punkte:

  • Gewicht: zwischen 40 und 120 kg
  • Alter: ab 10 Jahren
  • normale physische und psychische Verfassung

Außerdem ist die Nutzung schwangeren Frauen und alkoholisierten Personen untersagt. Alle Infos, Voraussetzungen und aktuelle Hinweise (Stichwort: Wetterbedingungen und entsprechende Einschränkungen!) zur Doppelseilrutsche im Harz findest du auf der Homepage von Harzdrenalin. Ein Besuch der Seite lohnt sich, denn die Jungs und Mädels bieten noch mehr Abenteuer mit Nervenkitzel-Garantie wie Segway-Touren oder Wallrunning an.

Mit dem Kopf nach vorn in die Tiefe

Ich gebe zu, dass mir persönlich nicht so ganz bewusst war, worauf ich mich eingelassen habe, als ich vorschlug, die Megazipline zu testen. Beim ersten Anblick der Doppelseilrutsche (und insbesondere des Gefälles am Start) machte sich schon ein leicht ungutes Gefühl in meiner Magengegend breit. Dieses wuchs während der Vorbereitungen zum Flug über die Rappbodetalsperre zu einer waschechten Panik an. Es hat mich einiges an Überwindung gekostet, mich in die (zu 100% sicheren!) Gurte fallen zu lassen und mich mit dem Kopf nach vorn in die Tiefe zu stürzen. Der wundervolle Ausblick auf den Stausee und die umliegende Berglandschaft konnte mich da leider auch nicht wirklich beruhigen.

Mit dem Kopf voran in die Tiefe. Spitzengeschwindigkeit 85 km/h

Mit dem Kopf voran in die Tiefe. Spitzengeschwindigkeit 85 km/h

Der Start der rasanten Fahrt, die ich mit meinem Freund am Seil nebenan „genoss“, wurde selbstverständlich von einem Ur-Schrei aus dem Tiefsten meines Körpers begleitet. Nach diesem Befreiungsschlag beruhigten sich meine Nerven ein wenig und ich konnte den „Flug“ über die Rappbodetalsperre endlich auch ein bisschen genießen.

Auch wenn dieses Abenteuer schon nach wenigen Sekunden wieder vorbei war und ich auch am Ziel noch immer ein nervliches Wrack war, möchte ich doch allen Adrenalin-Fans empfehlen, diesen wilden Ritt mitten im Harz zu testen. Der Spaß kostet euch 39 Euro, was meiner Meinung nach okay ist. Ob ich es noch einmal machen würde, weiß ich allerdings nicht. Einerseits weiß ich, dass es mich wieder sehr viel Überwindung kosten würde, andererseits hätte ich gern die Gelegenheit, dieses besondere Ereignis ganz bewusst und ohne Angst zu genießen.

Der König vom Harz

Weit weniger adrenalingeladen, dafür umso anstrengender und gleichermaßen lohnenswert ist der letzte Outdoor-Tipp für den Harz, den ich dir mit auf den Weg geben will. Es geht – ganz klar! – um den Brocken, den König vom Harz. Ich selbst habe den Berg zweimal besucht. Beide Wanderungen können als eher suboptimal bezeichnet werden, was im ersten Fall am Wetter und im zweiten am Zeitdruck gelegen hat.

Die letzten Sonnenstrahlen legen das Schild in warmes Licht.

Die letzten Sonnenstrahlen legen das Schild in warmes Licht.

Als ich den Brocken zum ersten Mal bestiegen habe, hat es im Grunde genommen die ganze Zeit geregnet. Dementsprechend ungemütlich und bescheiden waren der Aufenthalt auf dem Gipfel und die „Aussicht“. Ausgepowert, aber keinesfalls befriedigt, machte ich mich damals mit meinem Freund auf den Rückweg, der glücklicherweise eine interessante Felsformation kreuzte, die (mit etwas Nachhilfe) extrem an einen gefährlichen Haifisch erinnert. Wenn du dem „Fischlein“ einen Besuch abstatten möchtest, empfehle ich dir diesen Geocache. (Hinweis für Nicht-Cacher: Die angegebenen Koordinaten lauten: N 51° 46.518 E 010° 38.629, lasst die Dose aber bitte, wo sie ist, falls ihr darüber stolpert).

Haialarm auf dem Brocken!

Haialarm auf dem Brocken!

Da dieser erste Ausflug zwar „ganz nett“, aber noch keinesfalls das Nonplusultra war, beschlossen mein Freund und ich im letzten Herbst, den Brocken ein zweites Mal zu bezwingen. Dieses Mal sollte alles anders sein. Top Wetter, top Sicht. Alles schien perfekt – bis wir feststellten, dass wir es zu Fuß nicht vor Sonnenuntergang auf den Gipfel schaffen würden (job-bedingt starteten wir unsere Tour erst nach dem Mittag vom gut zwei Stunden entfernten Erfurt aus).

Eine Lösung für das Problem wurde schnell gefunden: Wir fuhren nach Schierke, wo wir in die Harzer Schmalspurbahn stiegen, die non-stop zum Gipfel des Brockens fuhr. Auch wenn ich nie ein großer Eisenbahn-Fan war, muss ich doch gestehen, dass diese Fahrt mit der alten Dampflok etwas ganz Besonderes für mich war. Kleiner Wehrmutstropfen: Die rund 30-minütige Fahrt kostete uns pro Kopf saftige 25 Euro. Naja, man gönnt sich ja sonst nichts. Außerdem gelang es uns dank der Eisenbahn-Fahrt, rechtzeitig auf dem Brocken anzukommen und eine atemberaubende Aussicht inklusive Bilderbuch-Sonnenuntergang zu genießen. Es schien wirklich so, als würde die Zeit für einen Moment stehenbleiben. So etwas hatte ich bis dahin auch noch nicht erlebt.

Mit der Schmalspurbahn auf den Brocken.

Mit der Schmalspurbahn auf den Brocken.

Um dennoch unserem Drang nach Bewegung gerecht zu werden, traten wir (wie bei unserer ersten Brockenwanderung) den Rückweg zu Fuß an. Da die Nacht jahreszeitenbedingt ziemlich schnell über uns hereinbrach, trauten wir uns allerdings nicht, die vielen Wanderwege vom Brocken zu nutzen. Stattdessen schlenderten wir Hand in Hand die asphaltierte Zufahrtsstraße hinunter, die zwar ein riesen Umweg war, dafür aber keine Stolperfallen bot. Sicherheit geht nun einmal auch bei diesem Harz-Abenteuer vor. Feststeht: Wir werden dem Brocken ein drittes Mal besteigen – in der großen Hoffnung, dann endlich den perfekten Wandertag zu erleben.

Fazit: Harz? Immer wieder gern!

Auch wenn ich schon etliche Male im Harz war, gibt es doch immer noch genug, was ich noch nicht gesehen habe und noch entdecken will. Für mich steht daher fest, dass ich dem Harz noch einige Besuche abstatten werde. Es muss nämlich nicht immer die Reise in die weite Welt sein, um kleine und größere Abenteuer im Freien zu erleben. Das Outdoor-Glück liegt oftmals näher als du denkst. Weitere tolle Outdoortipps, insbesondere zum Wandern im Harz, haben die Kollegen von „Harz Abenteuer Wandern“ auf ihrer Webseite zusammengestellt – Schau mal vorbei!

Sonnenuntergang auf dem Brocken.

Sonnenuntergang auf dem Brocken.

Hast du weitere Harz-Tipps? Dann freue ich mich auf deine Ergänzungen in den Kommentaren!

Text und Bilder von Jessika Fichtel

3 Kommentare

  1. Hallo Jessica,
    ein toller Bericht. Durch diesen werden Nicht-Harz-Kennern einige Attraktionen näher gebracht und mit den Fotos auch gezeigt wie schön unser Harz ist. Ein Sonnenuntergang auf dem Brocken ist noch immer ein erklärtes Ziel von meinem Mann und mir und wird uns hoffentlich noch in diesem Sommer gelingen. Einen richtig tollen Sonnenaufgang auf dem Brocken erlebten wir am 19.01. diesen Jahres bei minus 16 Grad. Ein wirkliches Erlebnis morgens im Dunkeln auf unbekannten Wegen im Schnee aufzusteigen und dann die unterschiedlichsten Lichtverhältnisse dort oben erleben zu dürfen, Einfach genial. Ich kann also euren Spaß im Harz durchaus nachvollziehen, wobei die Megazipline für mich nicht in Frage kommt. ;-).

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  2. Hi Jessi. Dann wird es bei Deinem nächsten Besuch natürlich dringend Zeit den Outdoor – und Adventure Harz zu besuchen. Du bist HARZlich eingeladen, Dich mit uns beim Canyoning oder Rafting in die Fluten zu stürzen, Dich beim Wildnis-und Survivaltraining mit den wichtigsten Überlebensskills auseinanderzusetzen, oder mit mit unseren Schlittenhunden und / oder Eseln die malerische Natur-und Kulturlandschaft des Harzes zu erkunden. Adrenalintours – Der Outdoor & Adventure Spezialist für den Harz seit 1994. ( http://www.adrenalintours.de ) HARZliche Grüße Jens Habich

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  3. Hallo Jessika,
    toller Artikel! ich freue mich immer wenn ich Berichte über den Harz entdecke. Ich bin viel dort unterwegs, einfach weil ich in der Nähe wohne. Und ich bin immer wieder überrascht, was der Harz außer seinem etwas „in die Jahre gekommenen Flair“ alles zu bieten hat. Ein Klassiker ist die Wanderung durch das Bodetal: echt wild-romantisch. Mein Bericht ist aus dem Frühsommer. Ich war aber auch schon mal im Winter bei Neuschnee da: ein absolutes Erlebnis!
    https://anwolf.wordpress.com/2016/05/03/hexentanzplatz-und-teufelsbruecke-sagenhaftes-bodetal/
    Liebe Grüße von Andrea

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